Lucien Gires, lebendige Erinnerung von Saugues und Künstler des Gévaudan
- Gorges du Haut-Allier

- 2. Sept. 2025
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Es ist unmöglich, durch die Straßen von Saugues im Département Haute-Loire zu gehen, ohne auf die künstlerische Spur von Lucien Gires zu stoßen, der liebevoll „Lulu“ genannt wurde. Maler, Bildhauer und autodidaktischer Dekorateur – heute gilt er als einer der leidenschaftlichsten Botschafter der ländlichen Kunst und des kulturellen Erbes des Gévaudan. Geboren 1937 und gestorben 2002, widmete dieser Künstler aus Saugues sein Leben der Verherrlichung der Landschaften, der alten Berufe und der Gesichter seiner Heimatregion.
Eine tief verwurzelte Berufung
Aus einer einfachen Familie stammend, war Lucien Gires das jüngste von drei Kindern (Joseph, Louis und schließlich Lucien). Sein Vater war Holzschuhmacher, seine Mutter Zélina entstammte einer Steinmetzfamilie. Schon in jungen Jahren wurde er von seinem Großvater in die Techniken von Stein, Holz und Zeichnung eingeführt. Eine künstlerische Ausbildung hat er jedoch nie genossen. Alles, was er lernte, eignete er sich aus Leidenschaft, durch Beobachtung und Praxis an. Sein Werdegang ist der eines Handwerkers mit außergewöhnlichem Talent, der aus Liebe zur Geste und zur lokalen Erinnerung zum Künstler wurde.
Sein Stil zeichnet sich durch eine unverfälschte Ehrlichkeit, ethnografische Detailgenauigkeit und tiefe Menschlichkeit aus. Er betrachtete sich eher als Zeuge denn als Künstler, stets bemüht, die Gesten, Gesichter und Traditionen seiner Heimat zu überliefern. Lucien Gires blieb Saugues sein Leben lang treu. Er liebte sein Dorf, seine Bräuche und seine Bewohner.

Ein Werdegang voller meisterhafter Werke
Schon zu Beginn entwarf „Lulu“ Plakate für Dorffeste oder Bälle. Sein erstes bedeutendes Projekt war das Diorama von Saint-Joseph in Espaly, wo er vor seinem Militärdienst die Siebdrucktechnik erlernte. Nach seiner Rückkehr stellte ihm die Gemeinde Saugues den „Tour des Anglais“, ein Wahrzeichen des Ortes, zur Verfügung. Er restaurierte den Turm eigenhändig und machte ihn zu seinem Atelier. Dort schuf er zwei monumentale Leinwände von 9 × 6 Metern, die Waldarbeit, Feldarbeit und das Landleben im Gévaudan darstellen. Seit den 1970er-Jahren können Besucher in diesem Raum sein monumentales Werk bestaunen.

Das Diorama von Saint-Bénilde ist die erste große Schöpfung von Lucien Gires. Es entstand 1962 und wurde in der ehemaligen Schule der Rue du Prieuré aufgestellt, wo Frère Bénilde einst als Lehrer tätig war. Diese einzigartige Anlage besteht aus dreizehn animierten Szenen, die nacheinander präsentiert und von einer Ton- und Lichtshow begleitet werden. Sie schildert nicht nur das Leben des Frère Bénilde, einer Symbolfigur der Stadt und Schutzpatron der Akkordeonspieler, sondern auch Szenen aus dem Alltagsleben in Saugues im 19. Jahrhundert. Der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich, zeugt dieses Diorama vom tiefen Heimatbewusstsein des Künstlers. Seine Mutter, Zélina Gires, leistete einen wertvollen Beitrag, indem sie die Kostüme der Figuren anfertigte und visuelle Materialien wie Plakate gestaltete.
Unter den zahlreichen Werken, die Lucien Gires in Saugues hinterlassen hat, nehmen die Fresken in der Kirche Saint-Médard einen besonderen Platz ein. Auf Jute gemalt, fügen sich diese monumentalen Bilder harmonisch in die Architektur des Gebäudes ein. Die Wahl dieses schlichten, aber warmen Materials spiegelt die Haltung des Künstlers wider: bescheiden, volksnah und tief in seiner Region verwurzelt. Heute sind die Fresken ein bedeutendes Element des religiösen Erbes von Saugues.

Sein letztes, wohl ehrgeizigstes Projekt war das Fantastische Museum der Bestie von Gévaudan. 1989 begonnen, mit der wertvollen Hilfe seiner Tochter Blandine, benötigte es mehrere Jahre an Vorbereitung, bevor es verwirklicht werden konnte. 1999 öffnete das Museum seine Türen für die Öffentlichkeit. Es stellt die berühmte Legende, die die Region zwischen 1764 und 1767 in Angst versetzte, in einem eindrucksvollen Rundgang mit 22 packenden Szenen dar.

Ein Erbe, eingeprägt in Gedächtnis und Orte
Während seines gesamten Lebens illustrierte Lucien Gires zahlreiche Kinder- und Erwachsenenbücher über das Gévaudan. Sein Talent als Bildhauer führte ihn dazu, viele Denkmäler und religiöse Skulpturen zu schaffen: in Vazeilles, in La Vachellerie (Gedenkstein des Widerstands aus Kunststein), in der Kirche von Beaumont, in Le Puy-en-Velay oder auch in Langeac. Seine Werke schmücken zudem angesehene Institutionen: etwa den Grand Palais in Paris, wo er im Rahmen des „Salon des Indépendants“ seine Leinwände ausstellte, oder die École des Arts et Métiers in Lyon, die einen seiner monumentalen Kupfer-Christusse von über zwei Metern Höhe bewahrt.
1997 wurde er zum Ritter des Ordens der Künste und der Literatur ernannt. Seit seinem Tod im Jahr 2002 ehrt Saugues sein Andenken. Die Straße nach Le Puy trägt heute seinen Namen, und jedes Jahr wird zu seinen Ehren ein Malwettbewerb (Prix Lucien Gires) veranstaltet. Zu diesem Anlass füllen Hobby- und Berufskünstler die Straßen der Stadt, um das Erbe und das Leben des Ortes auf ihre Weise darzustellen.
„Mein Erfolg war es, zuerst in Saugues zu leben und dann, wenn möglich, ein wenig zu malen. Glück ist eine Form von Weisheit – nicht neidisch auf unnütze Dinge zu sein.“
Lucien Gires





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